Die Saga von den zwei Wölfen
Der Kampf in unserem Herzen
„Es gibt eine uralte Geschichte, die mir ein weiser Wind auf meinen Reisen zugeflüstert hat. Sie handelt von einem Indianerhäuptling, der abends mit seinem Enkelkind am Lagerfeuer sitzt. Die Flammen werfen tanzende Schatten an die Bäume, und der alte Mann sagt leise:
‚Weißt du, in meinem Inneren tobt ein Kampf. Es ist ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist dunkel – er besteht aus Angst, Wut, Neid, Sorgen, Eitelkeit und Missgunst. Der andere Wolf ist lichtvoll – er besteht aus Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut und tiefem Vertrauen. Und dieser Kampf tobt nicht nur in mir, mein Kind. Er tobt auch in dir und in jedem anderen Menschen auf dieser Erde.‘
Das Enkelkind schweigt eine Weile, blickt tief in die glühenden Kohlen und fragt dann leise: ‚Und welcher Wolf gewinnt am Ende, Großvater?‘
Der alte Häuptling lächelt weise, legt einen neuen Ast ins Feuer und flüstert: ‚Derjenige, den du fütterst.‘“
Wieso mich diese Geschichte bewegt:
Als Alexandra, als Mensch, kenne ich beide Wölfe in mir zutiefst. Es gibt Tage, da knurrt der Wolf der Sorge und der Zweifel laut in mir. Doch als Hüterin habe ich gelernt, ihn nicht zu bekämpfen, sondern ganz bewusst den lichtvollen Wolf des Vertrauens zu nähren. Welchen Wolf fütterst du gerade in deinem Leben?
Erst unlängst schenkte mir das Leben eine Begegnung, die eine Wahrheit tief in meine Seele brannte. Ich saß mit meiner eigenen Enkeltochter zusammen. In ihren Augen spiegelte sich das unschuldige Licht der Welt, als sie mich ansah. Mit der größten Freude und einer rührenden, kindlichen Ernsthaftigkeit sagte sie zu mir, dass sie eines Tages, wenn sie groß ist, eine Mama werden möchte.
Diese Worte trafen mein Herz wie ein warmer Frühlingsregen, der auf trockene Erde fällt. In diesem Moment wurde mir wieder ganz still und tief bewusst, was es bedeutet, ein Kind dieser Erde zu sein. Es ist das heilige Wissen um den Kreislauf des Lebens. Sich wiegen im ewigen Rhythmus der Natur, Knospen ansetzen, blühen und schließlich selbst zum nährenden Boden für das Neue zu werden. Gedeihen im Einklang mit den Jahreszeiten der Seele. Ja, das ist mein tiefster Wunsch, für mich und für dich: ein Kind der Erde zu sein, dass seine Wurzeln tief in die pochende, dunkle Erde wachsen lässt und seine Krone mutig dem Licht entgegenstreckt.